Ajatollahdämmerung

Liebe Leserin, lieber Leser,
dem sich erhebenden folgt der brüllende Löwe.
Seit Samstagmorgen greifen Israel und die USA Iran an, der wiederum Vergeltung übt – auch gegen viele unbeteiligte Golfstaaten mit US-Militärbasen sowie die EU. Der oberste geistige Führer des Irans, Ali Chamenei, und viele andere Führungsfiguren wurden bereits getötet. Nach seinem Tod soll ein Triumvirat aus Präsident Pezeshkian, Justizchef Mohseni Ejei und Ayatollah Alireza Arafi, übernehmen bis die Expertenversammlung einen neuen Obersten Führer bestimmt. Einen Live-Ticker hat die Zeit, wir die Zusammenstellung der wichtigsten Hintergründe:
- Aus der rein völkerrechtlichen Perspektive ist der Angriff auf den Iran kaum legitimierbar. Aus der realpolitischen und menschlichen hingegen schon: Das Dilemma der Völkerrechts-Debatte.
- n-tv zeichnet Chameneis repressive und mörderische Herrschaft seit 1989 nach.
- Welche Rolle die CIA bei der Vorbereitung seines Todes gespielt hat, weiß t-online.
- Die letzten Stunden vor seinem Tod rekonstruiert die Morgenpost.
- Meldungen zum Angriff auf eine Mädchenschule mit vielen toten Kindern sorgen für viel Spekulation, die Informationslage ist immer noch dünn. Einen OSINT-Check dazu gibt es auf X.
- Wie Iran den Informationskrieg gegen den Westen führt, erklärt die NZZ (siehe auch Fundstück der Woche).
- Im letzten Sommer war es noch der Löwe, der sich erhebt. Die Hintergründe zur aktuellen Namensgebung der Operation “Löwengebrüll” hat der Spiegel.
- Ein beliebtes Vorurteil über die USA ist, dass sie Länder angreifen, von denen die meisten Bürger nicht mal wissen, wo sie liegen. Das ist im Fall von Iran auch nicht ganz von der Hand zu weisen.
- Eine Übersicht der wahrscheinlichsten Szenarien, wie es jetzt weiter gehen könnte, hat die Tagesschau.
Just zu Beginn der Militärschläge sorgte der vermeintliche Entwurf einer Notstandsverfügung für die Mid Terms für Aufsehen in den USA. Laut dem Papier sollten diese direkt unter Kontrolle der Trump-Administration gestellt werden – also beste Voraussetzungen für eine tatsächliche “rigged election”. Trump bestreitet das zwar, hat allerdings immer wieder Besorgnis über die Sicherheit der Wahlen und möglichen Betrug geäußert.
In Baden-Württemberg gibt es keine gestohlenen, aber dafür spannende Wahlen: Wider Erwarten zeichnet sich doch ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Landtagswahl am kommenden Sonntag ab. In der letzten Umfrage holen die Grünen bis auf einen Punkt auf. Das lag auch an den Sexismus-Vorwürfen an CDU-Spitzenkandidat Hagel – und der gut austarierten Reaktion von Cem Özdemir darauf.
- Das Hagel-Interview aus dem Jahr 2018, sehen Sie hier.
- Den Rückblick auf das Triell der Spitzenkandidaten hat das ZDF.
- Einen Kandidierendencheck über alle 571 Direktkandidat:innen, Fragen und Antworten an die und von den Kandidat:innen bietet Abgeordnetenwatch.
- Einen Check der Aufmerksamkeitsspanne im Stuttgarter Landtag gibt es unten im politticker.
- Auch Nordrhein-Westfalen hat nun einen Wahltermin: Am 25. April 2027 soll der neue Landtag in Düsseldorf gewählt werden.
Eine gefälschte Wahl gab es aber in Brandenburg. Die Bürgermeisterwahl in Strausberg ist zu einem handfesten Justizkrimi geworden, nachdem rund 1.200 Wahlbriefe ausgerechnet in der Postfiliale eines Spitzenkandidaten verschwanden. Mehr zu den Vorwürfen hat der Tagesspiegel.
Bei der Wahl des oder der neuen Bundespräsident:in am 30. Januar 2027 wird Betrug allerdings schwer. Die Bundesversammlung tagt im Reichstagsgebäude und der Zugang ist entsprechend gut gesichert. Genauso sicher sind sich fast alle Parteien, dass es Zeit für eine Frau an der Spitze ist. Wer gerade hoch im Kurs steht, weiß die Zeit.
Die neue Hausherrin wird allerdings erst einmal aus dem Koffer leben müssen. Die Sanierung von Schloss Bellevue wird mit über 600 Millionen Euro nicht nur fast doppelt so teuer wie geplant, sondern dauert auch acht Jahre. Die gesamte kommende Amtszeit findet also im Ausweichquartier statt.
Mit den besten Grüßen zum Wochenstart
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