Das Schweigen der Bots

Liebe:r Leser:in,
sind jetzt plötzlich alle russischen Bots weg?
Das war zumindest eine virale Geschichte, die nach den ukrainischen Drohnenangriffen gegen Rechenzentren des “russischen Google”, Yandex, kursierte. Ausgelöst wurde das Ganze von einer manipulierten Grafik über den angeblichen Rückgang von Pro-AfD-Bots sowie anekdotischer Evidenz, dass es plötzlich “ruhiger” sei in den sozialen Medien. Tatsächlich dürfte dahinter vor allem viel Wunschdenken und Confirmation Bias stecken. Auch unsere Analysen deuten zumindest auf keine statistisch auffälligen Rückgänge bei einschlägigen Desinformations- und pro-russischen Akteuren sowie dem AfD-Vorfeld hin (siehe Grafik). Im Gegenteil: Die Matrjoschka-Kampagne und andere russische Bots haben gestern sogar direkt Bezug darauf genommen.
- Capital mit einem Faktencheck zu dem Vorfall, inklusive Einschätzung meines Kollegen Richard Schwenn.
- Auch die Süddeutsche Zeitung greift unsere Analyse auf und ordnet (€) ein, warum es einige russische Hacker jetzt schwerer haben dürften.
- Die technische Dimension und die unterschiedlichen Arten von Bots erklärt netzpolitik.org.
Ironisch ist der Vorfall insofern, dass hier bei der Verbreitung der Behauptungen genau die Mechanismen gegriffen haben, auf die sonst die pro-russische Propaganda und Desinformation setzt. In AfD- und russlandfreundlichen Netzwerken sowie alternativen Medien freut man sich zudem sehr über den Fall, der nun mit Verve als Beweis für die angebliche Stigmatisierung der AfD ins Feld geführt wird.
Dass man in diesen Kreisen unsere Arbeit und die vieler geschätzter Kolleginnen und Kollegen aber weiterhin nicht so gerne sieht, zeigt eine Große Anfrage der AfD zu “Debatten über mögliche Zensur”, auf die die Bundesregierung nun geantwortet hat.

Der Ukraine-Krieg und Donald Trumps “Diesel-Deal” mit dem Kreml wirken derweil auch auf die US-Midterms und sorgen selbst in den eigenen Reihen für Frustration. Trump selbst packt derweil das komplette Repertoire an autoritären Einflusstaktiken vor der Wahl aus: indirekter Stimmenkauf und Angriffe auf die Wahlintegrität, nicht zulässige steuerfinanzierte Werbung, Einschüchterungstaktiken gegen Kritiker, etwa mit einer Razzia bei Ilhan Omar, sowie Desinformation durch Elon Musk und die Republikaner. Dazu kommt eine zunehmende Normalisierung von Gewalt durch den geplanten Hinrichtungs-Livestream.
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Welche Desinformationsnarrative zentral im Midterm-Wahlkampf werden könnten, fasst das Center for Democracy & Technology zusammen.
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Wie die Allianz aus der MAGA-Bewegung und den Evangelikalen in den USA Inspiration für rechtspopulistische Bewegungen weltweit ist, beschreibt The Insider.
Wer im Ernstfall Desinformation erkennen und handlungsfähig bleiben will, dem legen wir unseren kostenlosen Pilot-Workshop zu “Civic Preparedness” am 22. Oktober ans Herz, welchen wir gemeinsam mit PHINEO und der Johanniter-Unfall-Hilfe durchführen. Bis zum 16. Oktober kann man sich hier anmelden.
Mit den besten Grüßen
Hannah Schimmele
Autor:in

