2. November 2026
Streitkultur zwischen Mut und Toleranz

Entgegen der verbreiteten Diagnose einer zunehmenden Verrohung zeigen Daten des German Internet Panel, dass die Streitkultur in Deutschland weder verloren noch garantiert ist. Laut Politikwissenschaftler Richard Traunmüller von der Universität Mannheim fühlen sich 30 % der Befragten öffentlich eher unfrei, ihre politische Meinung zu äußern, im privaten Umfeld sind es nur 12 %. Zugleich berichteten 2026 nur noch zehn Prozent von scharfer Kritik (2024: 21 %) und fünf Prozent von Diffamierungen (2024: 11 %) nach einer Meinungsäußerung, während soziale Medien kaum eine Rolle spielen: Nur zwei Prozent wurden dort persönlich angegriffen. Bei der Abwägung zwischen Meinungsfreiheit und Schutz vor diskriminierenden Äußerungen hängt die Antwort stark davon ab, wen sie treffen: Bei Muslimen räumen 58 % der Meinungsfreiheit Vorrang ein, bei Frauen 58 % dem Schutz vor Diskriminierung. Eine freiheitliche Streitkultur beruhe daher auf Toleranz und Mut und müsse fortlaufend neu hergestellt werden.
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