Wimpernschlagfinale mit Rehaugen

Liebe Leserin, lieber Leser,
sprachlos vom eigenen Überraschungserfolg.
Das waren viele Grüne gestern bei der Bekanntgabe des Ergebnisses der Landtagswahl von Baden-Württemberg: 30,2 % und damit knapp vor dem Koalitionspartner von der CDU mit 29,7 %. Das sind am Ende nur knapp 30.000 Stimmen Unterschied und gleich viele Mandate, aber eben genug, um auch weiterhin das Staatsministerium zu halten. Grün-Schwarz wird also nicht als Kretschmann-One-Hit-Wonder in die Geschichte eingehen.Fünf weitere Lehren aus der Landtagswahl hat der SWR gezogen, noch mehr Hintergründe hier:
- Für die darbenden Grünen kommt der Sieg inmitten einer bundespolitischen Durststrecke und zu Beginn des Superlandtagswahljahres wie ein unverhoffter Segen. Warum sie die CDU noch überholen konnten und das nicht nur an Özdemirs Krawatte lag, weiß die Tagesschau.
- Für die CDU ist es doppelt bitter: Den fast sicher geglaubten Sieg am Ende noch hergeben müssen und dann so knapp. Über den Fehlstart der Kanzlerpartei.
- Die AfD jubelte über Platz drei. Mit 18,8 % fährt die Partei ein neues bestes Wahlergebnis in Westdeutschland ein. Das einzige Direktmandat wird in Mannheim geholt. Der Tagesspiegel über den “vergifteten Erfolg” – und seine Folgen.
- Ganz hart kam es für die SPD. Die krachenden 5,5 % sind ein historisches Debakel und das schlechteste Ergebnis der Partei auf Landesebene. Nun soll Rheinland-Pfalz retten. Währenddessen geht es mit einem rituellen Schönreden von Wahlniederlagen weiter.
- “Wenn die FDP es diesem Land nicht schafft, wird keiner glauben, dass sie irgendwo noch die fünf Prozent überspringen kann”, meinte FDP-Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke noch im Oktober. Mit 4,4 % haben die Liberalen nun das erste Mal den Einzug ins Stuttgarter Landesparlament verpasst. Darüber könnte Parteichef Dürr stürzen, analysiert t-online.
- Auch die Linke kam mit 4,4 % nicht rein, die Premiere im Stuttgarter Landtag muss verschoben werden. Mehr Aufmerksamkeit als das Wahlergebnis bekam die Beleidigung von Parteichef von Aken gegen Manuel Hagel.
- Direkt nach der Wahl gibt es auch erste personelle Konsequenzen, so haben die Spitzenkandidaten der SPD und FDP ihren Rücktritt angekündigt. Bei den Grünen gibt es Gerüchte über ein Ministeramt für Boris Palmer.
Özdemir hat sage und schreibe 14 Punkte auf Manuel Hagel aufgeholt und war nach ARD-Daten für die Wähler am Ende als Person sogar entscheidender als sein Vorgänger Kretschmann, der das Land 15 Jahre führte. Zudem kam Hagels doppelter Schulbesuchs-Fail (Rehaugen und Treibhauseffekt), der am Ende also entscheidend gewesen sein könnte.
Die Wahlverlierer erklären unisono, dass sie im grün-schwarzen Duell zerrieben wurden, ganz so einfach machen wir es uns nicht. Etwas tiefgreifendere Zahlen und Analysen zur Wahl im Ländle:
- Das vorläufige amtliche Endergebnis gibt es beim Statistischen Landesamt Baden-Württemberg.
- Die Wahlbeteilligung steigt deutlich von 63,8 % auf 69,6 %.
- Eine interaktive Wahlkreiskarte – Gemeinde für Gemeinde und mit den Ergebnissen aus Erst- und Zweitstimme – bietet ZDFheute.
- Die Wählerwanderungen zwischen den Parteien zeigt die Tagesschau.
- Reaktionen der deutschen Presse hat der Deutschlandfunk.
- Den Wahltag in Bildern gibt es bei der Badischen Zeitung.
- Zum ersten Mal durften auch 16- und 17-Jährige wählen, insgesamt rund 650.000 Erstwähler:innen, davon 180.000 noch Minderjährige. Die Ergebnisse je nach Altersgruppe hat die Tagesschau in der interaktiven Grafik.
- Das neue Wahlrecht brachte noch eine weitere Neuerung: Zum ersten Mal gab es auch im Südwesten Erst- und Zweitstimme. Dies führt nun zu einem neuen Rekord: 157 Abgeordnete werden dem neuen Landtag angehören. Doch das eigentliche Ziel der Wahlrechtsreform, ein höherer Anteil weiblicher Abgeordneter, wurde verfehlt.
Während ganz Deutschland auf Stuttgart schaute, fanden gestern in Bayern die Kommunalwahlen statt. Die Ergebnisse gibt es hier. Interessant wird es in München: Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) erreichte nur 35,6 Prozent – und muss damit am 22. März in die Stichwahl gegen Grünen-Kandidat Dominik Krause, der auf 29,5 Prozent kam.
Das war aber nur der Start ins Superwahljahr. Rheinland-Pfalz wählt in zwei Wochen, im Herbst folgen Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.
Mit den besten Grüßen zum Wochenstart
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