Wenn die Antifa Amok fährt

Liebe:r Leser:in,
eine neue Gewalttat, ein neuer Kampf um die Deutungshoheit.
Vor allem auf X wurden unmittelbar nach der Amokfahrt in Leipzig Mutmaßungen und Falschmeldungen verbreitet. Vermeintliche “Nachrichten”-Kanäle wie “FranceNews24” behaupteten etwa, der Täter sei afghanischer Herkunft gewesen und konnte damit bereits über 700.000 Views sowie Vorwürfe gegen die angeblich nicht berichtenden deutschen Medien erzielen. Auf X wird die Tat zudem mit angeblichen “Beweisbildern” instrumentalisiert, um den Täter als Linksextremisten und angebliches Mitglied der Antifa einzuordnen.
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Die typischen KI-Merkmale der Fake-Fotos, die den Täter sowohl im Antifa- als auch im AfD-Outfit zeigen sollen, analysiert n-tv.
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Die verschiedenen Lügen über den Amokfahrer fasst Lars Wienand auf t-online zusammen.
- Dass für Videos von angeblichen Pro-AfD-Demonstrationen altes Bild- und Tonmaterial genutzt wird, zeigt Correctiv in einem Faktencheck.
In diese Vorkommnisse fügt sich die Debatte um den koordinierten Rückzug von SPD, Grünen und Linken von X, den die Parteien unter anderen damit begründen, dass die Plattform Desinformation anstatt politischer Debatten fördere. Während noch diskutiert wird, ob dieser Boykott nur die extremen Stimmen auf der Plattform weiter stärkt oder es ein längst überfälliger Schritt ist, erschließen eben diese Stimmen bereits neue Milieus: Unter anderem NIUS ist seit zwei Tagen nun auch auf Bluesky präsent, während Björn Höcke mehr als vier Stunden quasi unwidersprochen seine radikalen Thesen von “Demokratiesimulation” bis hin zum Ethnopluralismus im Podcast “ungeskriptet” ausbreiten darf. Für Influencerinnen wie Naomi Seibt ist das natürlich ein großartiger Erfolg gegen die Regierung und Mainstream-Medien, die ihn “silencen” wollen.
Um eine etwas andere Art von Silencing ist aktuell der russische Propaganda-Apparat bemüht: Denn nach verschiedenen Berichten von CNN, der Financial Times und dem russischen Investigativmedium iStories, die zeigen, dass der russische Präsident Angst vor Attentaten und Putschversuchen hat und sich deswegen immer strenger abschotten soll, muss nun Stärke und Normalität demonstriert werden. Gleiches gilt für die Militärparade zum “Tag des Sieges” am 9. Mai in Moskau – traditionell die Propagandaveranstaltung des Jahres, die dieses Mal jedoch ohne Panzer und Raketen auskommen muss. Putins “wie immer sehr wichtige Rede” darf natürlich trotzdem nicht fehlen.
Mit den besten Grüßen
Hannah Schimmele
Dieser Text ist zuerst im wöchentlichen Desinfo-Briefing als Editorial erschienen. Wenn Sie das Briefing mit den neuesten Hintergründen und Analysen rund ums Thema Desinformation erhalten wollen, abonnieren Sie es gerne hier.
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