Shots fired?

Liebe:r Leser:in,
und wieder ein vermeintlich inszeniertes Attentat.
Nach den Schüssen beim White House Correspondents’ Dinner am Samstagabend zeigt sich eine ähnliche Dynamik in den sozialen Medien wie nach dem ersten Attentatsversuch auf Donald Trump im Juli 2024. Was dieses Mal jedoch noch unmittelbarer und deutlicher zu beobachten war: Vor allem aus dem linken Spektrum dominiert die Behauptung, dass das Attentat eine “False Flag”-Operation der Trump-Regierung gewesen sei. Als vermeintlicher Beleg hierfür wird unter anderem eine Aussage der Regierungssprecherin Karoline Leavitt von kurz zuvor herangezogen: “shots will be fired”. Dass sie sich dabei auf die rhetorische Ebene bezog, wird natürlich außer Acht gelassen. Auch Aussagen von Moderator Jimmy Kimmel über die “werdende Witwe” Melania Trump werden im Nachhinein umgedeutet und darauf basierend die Entlassung von Kimmel gefordert.
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Einen Überblick über die kursierenden Verschwörungserzählungen gibt n-tv.
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Behauptungen, der Attentatsversuch sei “staged”, haben mittlerweile über 80 Millionen Aufrufe auf X erhalten, wie NewsGuard beschreibt.
- Dass auch die Anwesenheit und Live-Berichterstattung zahlreicher Journalist:innen vor Ort der Entstehung und Verbreitung von Falschinformationen nicht vorbeugen konnte, zeigt ABC.
- Wie Trumps eigene Verbreitung von Verschwörungserzählungen nun auf ihn zurückfällt, diskutiert (€) Markus Feldkirchen in seiner Spiegel-Kolumne.
In Deutschland diskutieren Politik und Zivilgesellschaft derweil weiterhin über den Umgang mit dem „Demokratie leben!“-Förderprogramm, wovon auch Projekte gegen Desinformation wie etwa das Netzwerk toneshift betroffen sind. Familienministerin Prien hat ihr Reformvorhaben nun in einem Gespräch bei Correctiv nochmals gegen Kritik verteidigt und begründet die Entscheidung damit, dass sie “allergisch gegen Identitätspolitik” sei. Die neue Förderrichtlinie für das Programm soll Ende Juni vorgelegt werden.
Wer sicher mehr auf Identitätspolitik setzen wird und qua Amt künftig “polarisieren” soll: die CDU-Abgeordnete Saskia Ludwig, die für die umstrittene Ostdeutsche Allgemeine Zeitung die Kolumne “Im Visier” schreiben wird. Auswahlkriterium laut OAZ ist unter anderem ihre Arbeit “für den Schutz der Meinungsfreiheit” – und ihre Rolle in der Verhinderung von Frauke Brosius-Gersdorf als Verfassungsrichterin im letzten Sommer. Ihr Bundestagsmandat behält Ludwig selbstverständlich.
Mit den besten Grüßen
Hannah Schimmele
Dieser Text ist zuerst im wöchentlichen Desinfo-Briefing als Editorial erschienen. Wenn Sie das Briefing mit den neuesten Hintergründen und Analysen rund ums Thema Desinformation erhalten wollen, abonnieren Sie es gerne hier.
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