Jesus versus Petrus

Liebe:r Leser:in,
es gibt noch gute Nachrichten.
Ungarn hat sich für Europa und die Demokratie entschieden und den Autokraten Viktor Orbán überaus deutlich abgewählt. Und das trotz massiver Einflussnahme aus Washington und Moskau sowie inländischer Desinformation vom Fidesz-Machtapparat. Kurz vor der Wahl kursierten dann auch nochmal von Orbán und russischen Kanälen verbreitete Behauptungen, die ungarische Opposition hätte einen Putsch geplant. Entsprechend groß war dann doch die Überraschung, dass Orbán seine Niederlage so schnell und geräuschlos anerkannte.
- Wie sehr die Desinformation auf den Wahlsieger zugeschnitten wurde, analysiert die Tagesschau.
- Welche Rolle KI im Wahlkampf, sowohl bei der Diskreditierung von Orbáns Gegner:innen als auch bei Orbáns eigener Propaganda (€) gespielt hat, erklären France24 und die FAZ.
- Einen Rückblick auf das Propagandasystem Orbáns und dessen Vorbildfunktion für andere Autokraten bietet die Frankfurter Rundschau.
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Der Kreml zeigt sich entsprechend des Wahlausgangs wenig erfreut, spielt den Verlust des wichtigsten Verbündeten in der EU aber herunter, wie das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) in einer Analyse zeigt.
Auch für Donald Trump und seinen Top-Wahlkämpfer, JD Vance, ist die Niederlage Orbáns auch eine eigene. Trump selbst will davon natürlich mittlerweile nichts mehr wissen (Magyar sei ein “guter Mann”) und hat sich ein neues Ziel gesucht: niemand geringeren als Papst Leo XIV, was sogar Giorgia Meloni gegen den US-Präsidenten aufgebracht hat. Zorn aus den eigenen Reihen zog er sich auch ob seiner Jesus-Darstellung zu. Den Post hat er mittlerweile gelöscht, seine Begründung: Das Bild habe ihn als “Doktor des Roten Kreuzes” gezeigt (Erklärung im Video).
Immerhin eins hat er damit erstmal erreicht: Von den (bislang ausbleibenden) Erfolgen durch die umstrittene Blockade der Straße von Hormus abzulenken. Doch selbst innerhalb der MAGA-Bewegung wenden sich prominente Personen gegen den Kurs des Präsidenten. Wie das iranische Regime währenddessen auf Gut-gegen-Böse-Narrative setzt, um sich selbst als “Verteidiger der islamischen Welt” zu stilisieren, analysiert Gilda Sahebi.
Auch die AfD stellen sowohl Orbáns Niederlage als auch Trumps aktuelles Auftreten vor eine Herausforderung. Auf Landesebene hingegen beschäftigt man sich mit anderen Themen: Beim Parteitag des Landesverbandes Sachsen-Anhalt wurde insbesondere gegen Medienschaffende ausgeteilt (“Propagandaknechte in Presse und Medien”). Berlin.Table zeigt in einer Analyse die radikalen Entwicklungen und Beschlüsse auf.
Mit den besten Grüßen
Hannah Schimmele
Dieser Text ist zuerst im wöchentlichen Desinfo-Briefing als Editorial erschienen. Wenn Sie das Briefing mit den neuesten Hintergründen und Analysen rund ums Thema Desinformation erhalten wollen, abonnieren Sie es gerne hier.
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