Goebbels‘ Erben

Liebe:r Leser:in,
Sachsen-Anhalt bereitet sich auf die AfD-Dominanz vor.
Zur konstituierenden Sitzung nächsten Dienstag soll – mithilfe des BSW – mit Tobias Rausch (€) der erste AfD-Landtagspräsident gewählt werden (neue Sitzordnung und nächste historische Zäsur (€) inklusive). Nicht ganz einig sind sich die beiden Parteien aber wohl beim Umgang mit dem MDR. Siegmund hatte im Wahlkampf groß den Ausstieg aus dem Medienstaatsvertrag angekündigt. Der Plan stattdessen: ein “Grundfunk”.
- Warum das an NS-Methoden erinnert, ordnet die HNA ein.
- Über das geplante eigene Medienimperium der AfD spricht der Spiegel-Podcast “Mad Kings”.
NS-Referenzen macht auch die russische Propaganda gerne: So brachte etwa der russische Außenminister Sergej Lawrow zu dem viel diskutierten Treffen mit seinem deutschen Counterpart Wadephul in New York vergangene Woche ein Propagandadokument namens “Erben von Goebbels” mit. Dieses sollte angebliche Falschdarstellungen des Massakers von Butscha aufdecken. Im Nachgang versucht sich die russische Seite außerdem mit einem Bibelvers moralisch über die deutsche Seite zu erheben. Lawrow bezeichnete die 22 Minuten mit Wadephul konsequent als “überflüssig”.
In und über Deutschland und seine Partner gehen währenddessen die russischen Einflussaktivitäten weiter:
- Um 850 % nahmen die Fälschungen etablierter Medien 2026 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 zu, wie NewsGuard aufzeigt.
- Wie die Einflusskampagnen gegen die Landtagswahlen funktioniert haben, beleuchtet eine Recherche, unter anderem zur Aktivität von Storm-1516 im Berliner Wahlkampf, durch Belltower.News.
- Hass und Desinformation in den Kommentarspalten vor den Wahlen, möglicherweise auch durch russische Bots verstärkt, haben die Kollegen von Penemue analysiert (€).
- Wie zwei Mitarbeiter des russischen Propagandakanals “Rybar”, dessen Gründer unter EU-Sanktionen steht, aus Berlin arbeiten, erklärt Correctiv.
- Wie die deutsche Entwicklungshilfe, insbesondere durch russisches Zutun, unter Druck von Desinformation gerät, beschreibt die Frankfurter Rundschau. Auch der Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Bundestages befasste sich aktuell mit dem Thema.
- Wie ein koordiniertes Netzwerk derzeit in verschiedenen Sprachen die Botschaft “Russia is not my enemy” auf Social Media verbreitet, analysiert Polskie Radio.
Einen vielversprechenden Ansatz zur Abwehr ausländischer Einflussnahme lieferte jüngst der britische Premier Andy Burnham mit der Ankündigung des neuen “National Centre for Information Defence” (siehe Desinfo-Ticker), das jedoch bereits jetzt unter Feuer steht. Journalistin Polly Curtis mit einer Einordnung zu den Erfolgsaussichten.
Mit den besten Grüßen
Hannah Schimmele
Dieser Text ist zuerst im wöchentlichen Desinfo-Briefing als Editorial erschienen. Wenn Sie das Briefing mit den neuesten Hintergründen und Analysen rund ums Thema Desinformation erhalten wollen, abonnieren Sie es gerne hier.
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