Donauwelle der Erleichterung

Liebe Leserin, lieber Leser,
Ungarn hat der Autokratie eine Absage erteilt.
Und Washington und Moskau gleich mit, die – mit unterschiedlichen Methoden – kräftig für Amtsinhaber Viktor Orbán getrommelt haben. Mit dem Erdrutschsieg von Herausforderer Péter Magyar geht eine der längsten Amtszeiten der jüngeren europäischen Geschichte zu Ende: 16 Jahre war Orbán im Amt und hat in dieser Zeit nicht nur den Rechtsstaat ausgehöhlt, sondern auch auf EU-Ebene torpediert, wo er konnte. Sein Nachfolger Magyar, einst selbst FIDESZ-Mitglied, kann nun mit seiner Partei TISZA auf eine Zweidrittel-Mehrheit bei fast 80 % Wahlbeteiligung zählen. Mehr Legitimation ist in einer Demokratie kaum möglich.
- Über die Folgen für die EU (und Deutschland) schreibt die ZEIT.
- Orbáns Wahlkampf mit Kriegsangst und Desinformation hat nicht funktioniert.
- Wie Péter Magyar vom FIDESZ-Insider zum Kontrahenten wurde und was seine Ehefrau damit zu tun hat, fasst watson zusammen.
- Hilfe bei der Aussprache seines Namens (“Modjarrr”) gibt die Süddeutsche in einer Ungarisch-Lektion.
- Internationale Reaktionen: In Brüssel, Berlin, Kiew und Paris wird aufgeatmet, die europäische Rechte dagegen redet sich Orbans Niederlage schön (€) und Moskau hofft auf “pragmatische” Beziehungen.
- Interessierte können sich morgen um 8:30 Uhr bei der DGAP digital zur Wahl debriefen lassen.
- Interaktive Grafiken und Karten zur Wahl gibt es auf der Webseite des Nationalen Ungarischen Wahlamts.

Auch Friedrich Merz gratulierte herzlich. Zumindest eine kurze Ablenkung vom Koalitionszoff um die Entlastungen aufgrund der hohen Spritpreise. Nach einem Beratungs-Wochenende in der Villa Borsig hat die Koalition nun aber einige Entlastungen beschlossen. Der Nachgeschmack des öffentlichen Streits in Ampel-Manier bleibt.
- Wie der Streit zwischen den “Drei von der Zankstelle”, Klingbeil, Reiche und Merz, bis zur Kanzler-Intervention eskaliert ist, zeichnet t-online nach.
- Die Wirtschaftsministerin bekommt dabei sowohl Rückhalt als auch Kritik aus der eigenen Partei. Der Stern-5-Minuten-Podcast darüber, wie Reiche die CDU aufwühlt.
Neben den Spritpreisen sorgte auch das Thema Wehrüberwachung letzte Woche für Aufsehen. Correctiv hat nun recherchiert, was im Verteidigungsministerium passiert ist und warum der potenzielle Grundrechtseingriff nicht früher im öffentlichen Diskurs auftauchte.
Da war Uta Francisco dos Santos in den letzten Tagen hingegen sehr präsent. Die SPD-Politikerin wollte Bürgermeisterin in Berlin-Mitte werden, hat nun aber die Spitzenkandidatur im Bezirk zurückgezogen. Die Angestellte der Senatsverwaltung war seit 2024 überwiegend krankgeschrieben und hat trotzdem Wahlkampf betrieben. Das war sogar SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach zu viel. In der Morgenpost schilderte sie ihre Sicht der Dinge. Gewählt wird in Berlin übrigens am 20. September und es werden noch Wahlhelfer:innen gesucht.
Und Donald Trump? Nachdem die Friedensverhandlungen mit dem Iran nicht so erfolgreich liefen und er jetzt selbst die Straße von Hormus blockieren will, fängt dieser nun einfach einen Streit mit niemand geringerem als dem Papst an.
Mit den besten Grüßen zum Wochenstart
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