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7. September 2026 13 Minuten

Blaues Wunder mit Ansage

Liebe Leserin, lieber Leser,

es stand eh schon viel auf dem Spiel, aber weil die Exit Polls gestern Nachmittag sehr restriktiv gehandhabt wurden, blickte ganz Deutschland noch aufmerksamer um 18 Uhr auf das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

Und sah einen blauen Erdrutschsieg, der sich angedeutet hat: Die AfD holte mit 43,8 % ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl bei einer Rekordwahlbeteiligung von 77,8 %.

 

Seit 13 Jahren hat keine Partei mehr so einen Wert bei einer Landtagswahl geschafft. 2013 war es die CSU mit 47,7 %. Die SPD holte im Saarland 2022 immerhin 43,5 %, die Nord-CDU 2022 stolze 43,4 %.

In Sachsen-Anhalt folgte gestern mit großem Abstand die CDU von Ministerpräsident Schulze mit 17,2 %, die SPD (9,3 %), Grüne (8,9 %), Linke (8,6 %) und BSW (5,3 %). Die derzeit noch mitregierende FDP ist mit 2,6 % hochkant aus dem Landtag geflogen. Damit kommt die als rechtsextrem eingestufte AfD auf 39 Sitze, drei weniger als notwendig für die absolute Mehrheit.

  • 6 Lehren aus der Wahl hat ntv.

  • Die Ergebnisse aller Parteien gibt es hier.

  • Einen Überblick über das Wahlverhalten, die Wähler:innenwanderung und zahlreiche weitere Grafiken bietet die tagesschau.

  • Eine interaktive Wahlkreiskarte mit Blick auf die Wahlbeteiligung, Erst- und Zweitstimmen gibt es bei der Landeswahlleiterin.

  • Bilder von den Wahlpartys zwischen Tränen und Jubel hat die Rheinische Post.

Bei den Parteien herrscht größtenteils Bestürzung – in unterschiedlichen Abstufungen mit zwei Ausnahmen:

  • “Friedrich Merz wollte uns halbieren, jetzt haben wir die CDU halbiert”, so AfD-Co-Chef Chrupalla zum Abschneiden seiner Partei. Dabei wurde die AfD in allen 218 Gemeinden stärkste Kraft, verpasste jedoch die absolute Mehrheit. Sie mobilisierte enorm viele Nichtwähler und profitierte vom schlechten Stand der Bundespolitik. Die Gründe für die Zustimmung und was Wählende über die Partei sagen, gibt es hier.
  • Für die CDU ist es eine historische Niederlage. Die Gründe dafür gibt es hier grafisch aufbereitet.
  • Glimpflich davongekommen ist die SPD, doch die Debatte um die Ausrichtung der Partei schwelt weiter.
  • Bei der Linken überwiegt der Frust nach dem Fall unter 10 %, sie könnte trotzdem zur Königsmacherin werden. Zudem gingen die einzigen Nicht-AfD-Direktmandate nach links.
  • Die Grünen erhielten das beste Ergebnis ihrer Geschichte in Sachsen-Anhalt. Doch auf die Euphorie könnte in zwei Wochen in Mecklenburg-Vorpommern schnell Ernüchterung folgen.
  • Diesmal knapp drüber: Das BSW hat den Sprung in den Landtag geschafft, zeigt sich offen für eine Zusammenarbeit mit der AfD, favorisiert aber einen überparteilichen Ministerpräsidenten.
  • Die FDP verfehlte den Einzug in den Landtag deutlich, Spitzenkandidatin Hüskens trat umgehend zurück.

Selten war eine Regierungsbildung so unklar. Gegen die AfD müsste es eine Fünfer-Koalition geben. Bisher beispiellos. Die Rechtsextremen selbst könnten realistisch nur mit dem BSW regieren. Auch Neuwahlen hat Siegmund am Wahlabend bereits als Option genannt. Eine andere Möglichkeit sind abtrünnige CDU-Abgeordnete: Die Welt über die “Operation Überläufer”. Alle Szenarien fasst die FAZ zusammen. Weitere Perspektiven zur Wahl:

  • Hertha BSC könnte die Demokratie retten, weil der FC Magdeburg ein Auswärtsspiel hatte. Zumindest kommentierte (€) das die ZEIT, die taz sieht das ganz anders.
  • “Taktisch wählen” hatte wohl auch einen Anteil daran, dass die Grünen und die SPD es schlussendlich in den sachsen-anhaltischen Landtag schafften.
  • Übrigens nicht “sachsen-anhaltinisch”, wie es sich auch in der Wahlberichterstattung oft wiederfand.
  • Was macht der Kampf um die 5-%-Hürde mit den Wählern der betroffenen Parteien. Die Wissenschaft beobachtet (€) hier oft Last-Minute-Wahlentscheidungen.
  • Wie viel Anteil hatte Social Media? Eine Untersuchung der Universität Potsdam zeigt, dass 64,5 % aller Aufrufe politischer Accounts aus Sachsen-Anhalt auf Ulrich Siegmund entfielen. Seine Videos erzielten im Schnitt das 38-fache der Aufrufe von CDU-Spitzenkandidat Schulze.
  • Die Rolle von Desinformation im Wahlkampf hat Kollegin Hannah Schimmele in der taz erörtert.
  • Die internationalen Reaktionen zur Wahl hat der Spiegel im Überblick.

Dazu gehörten auch Viktor OrbánUS-Präsident Trump, der kommentarlos eine Hochrechnung auf Truth Social veröffentlichte und Elon Musk. Ulrich Siegmund bleibt seinem Stil treu und bedankte sich pflichtbewusst beim reichsten Mann der Welt.

Tektonische Verschiebungen gab es auch in New York. Auf Initiative von Togo und der Mitglieder der Afrikanischen Union, votierte die UN für eine neue Weltkarte. Nur die USA stimmte dagegen. Auf dieser würde Deutschland übrigens gut die Hälfte seiner dargestellten Fläche verlieren.

Schrumpfen würde es auch bevölkerungstechnisch, sollte die AfD auf Bundesebene an die Macht kommen: 22 % der Deutschen würden dann laut Umfrage in andere Regionen des Erdballs ausweichen.

Mit den besten Grüßen zum Wochenstart

Philipp Sälhoff


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