Angstgegner Österreich

Liebe Leserin, lieber Leser,
gegen Österreich verlieren tut immer besonders weh, ob in Córdoba oder New York.
Nun scheiterte Deutschland bei der Wahl in den UN-Sicherheitsrat und muss nicht nur Österreich, sondern auch Portugal den Vortritt lassen. Im Alpenstaat wurde bereits das “Córdoba der Diplomatie” ausgerufen, hier ist der Frust über das verpasste Mandat groß.
- “Nach dem Spiel ist vor dem Spiel” dachte sich der Bundeskanzler und kündigt prompt eine neue Kandidatur für 2035 an.
- Die Gründe, warum Deutschland scheiterte, sind vielfältig.
- In der Union ist es für manche aber schlichtweg Annalena Baerbock.
Bei der anstehenden Fußball-WM kann Deutschland zum Glück allerfrühestens im Achtelfinale auf Österreich treffen. Nach den Turnieren in Russland und Katar beginnt am kommenden Donnerstag die nächste Endrunde auf politisch schwierigem Terrain, zumindest was die USA betrifft. Der DFB will sich aber zurückhalten, für viele andere stellt sich die Frage: WM-Boykott ja (€) oder nein (€)?
- Den Rückblick auf historische WM-Boykott-Debatten hat der Stern.
- Gegen den an Donald Trump verliehenen “FIFA-Friedenspreis” hat nun pünktlich zum WM-Start Norwegens Fußballverband Protest eingelegt.
- Die geopolitisch maximalbrisante Paarung USA-Iran ist gar nicht so unwahrscheinlich (beide müssten Gruppenzweite werden). Die iranischen Spieler haben mindestens einen Nachteil, weil sie nach langem Visa-Streit die USA direkt nach ihren Spielen verlassen müssen.
- Die politische Dimensionen der WM-Geschichte bis 1994 hat die bpb aufbereitet.
Deutschland startet am 14. Juni ins Turnier. Aus der Bundesregierung wird dort aber niemand erwartet: Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) reist zum zweiten Gruppenspiel am 20. Juni nach Toronto. Der Bundeskanzler Merz will nur im Falle eines Finaleinzugs nach New York kommen. Er hat hier ja auch alle Hände voll zu tun. Wie es politisch bei den drei deutschen Gruppengegnern aussieht:
- In der Elfenbeinküste regiert der umstrittene Amtsinhaber Ouattara seit 2010. Die Konrad-Adenauer-Stiftung blickt in einem Länderreport aus dem Januar tiefer in die politische Gemengelage des westafrikanischen Staates.
- Curaçao ist das kleinste Land, das sich je für eine WM qualifizieren konnte und steht nur selten im politischen Fokus. Jüngst war es aber Schauplatz einer spektakulären Flucht gen Oslo. Auch viele Spieler kennen ihre Insel nur aus dem Urlaub (€).
- In Ecuador setzte der politisch geschwächte Präsident Noboa im Kampf gegen die Drogengewalt zuletzt auf die militärische Nähe zu Trump, obwohl die Bevölkerung US-Militärbasen erst im November per Referendum ablehnte.
Die Fanmeile wird es in Berlin zwar nicht geben, aber wer in (unterstelltermaßen politisch interessierter) Gesellschaft die deutschen Spiele schauen will, kann der Einladung des Tagesspiegel zum Public Viewing folgen. Den gesamten Spielplan gibt es hier.
Wenn es mit dem deutschen WM-Titel überraschenderweise doch nicht klappt, bitte nicht zu sehr ärgern. Oder gar fluchen. Obwohl das gerade in der politischen Kommunikation der USA sehr verbreitet ist. Die FAZ hat mit einem Sprachforscher über die Schimpftiraden in der US-Politik gesprochen (€).
Ein paar Kraftausdrücke hatten manche Bundestagsabgeordnete vielleicht auch beim neuesten Vorschlag der Familienunternehmer im Kopf.
Mit den besten Grüßen
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