Mit dem Zweiten sieht man künstlich

Liebe:r Leser:in,
“diese krasse Fälschung in einer Nachrichtensendung ist ein gravierender Fehler”.
Das muss sich aktuell das ZDF von NRW-Medienminister Nathanael Liminski (und vielen weiteren) anhören. Was passiert ist: Am Sonntag ging es in einer Sendung des “heute journal” um die US-Behörde ICE und Moderatorin Dunja Hayali sprach über die in den sozialen Medien kursierenden (echten wie falschen) Videos zu den Einsätzen. Ausgerechnet dann wurde im darauffolgenden Beitrag ein KI-Video ohne redaktionelle Kennzeichnung gezeigt. Nach Kritik und Unsauberkeiten in der Aufarbeitung entschuldigte sich das ZDF gestern live in der Sendung für den “Doppelfehler”.
In Desinformationskreisen wird der Vorfall nun jedoch zusätzlich für ein größeres Narrativ instrumentalisiert: Es handele sich um den “größten Medienskandal der letzten Jahre”, sei kein Zufall, sondern System sowie ein Beleg für linke Indoktrination und bewusste Täuschung durch das ZDF. Über den immensen Schaden für den ÖRR und wie damit so dringend notwendige Glaubwürdigkeit ruiniert wird, schreibt Joachim Huber beim Tagesspiegel.
Währenddessen bleibt von der Münchner Sicherheitskonferenz wie bereits im Vorjahr vor allem eine Rede hängen. Und trotz vermeintlich versöhnlichem Tonfall sollte der Auftritt von US-Außenminister Marco Rubio als das verstanden werden, was er war: eine ideologische Kampfansage an Europa. Rubios weitere Stopps auf seiner Europareise verstärken diesen Eindruck. Neben Robert Fico in der Slowakei besuchte er Viktor Orbán in Ungarn (der zuletzt die EU als größere Gefahr als Russland bezeichnete), um diesen ganz explizit im Wahlkampf zu unterstützen.
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Über die Methoden des demokratischen Rückschritts und wie Autokraten von Trump bis Orbán voneinander lernen, schreibt CORRECTIV.Exile.
- Inwiefern Rubios Rede auf der MSC von rechtsnationalistischen Codes geprägt war, etwa zur Erinnerungskultur oder der “Massenmigration” als “zivilisatorische Gefährdung” für den Westen, kommentiert Bastian Brauns für t-online.
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Wie in den russischen Nachrichten zur Konferenz Trump-Gegner:innen wie Gavin Newsom diskreditiert werden und gar eine Verschwörung gegen Trump gewittert wird, zeigt dieser Mitschnitt.
- Parallel dazu setzten sich die Kirchen mit der Thematik auseinander: Beim Friedenssymposium betonten sie ihre Rolle im Kampf gegen russische Desinformation.
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Auf der Munich Cyber Security Conference wurde indes die Frage eines gesamtstaatlichen Ansatzes gegen Russlands hybride Kriegsführung und die Möglichkeit von offensiven Gegenmaßnahmen diskutiert.
Woran sich sowohl Ungarn als auch die US-Administration im EU-Kontext stören: vermeintliche Zensur – und damit insbesondere am Digital Services Act. Dieser feierte nun seinen zweiten Geburtstag. Eine Bilanz zur Wirksamkeit des Gesetzes haben Joris van Hoboken und Paddy Leerssen vom DSA Observatory gezogen, Einblicke aus dem DSC-Beirat gibt Svea Windwehr bei netzpolitik.org und macht damit zumindest ein bisschen Hoffnung.
Zum Abschluss noch eine Empfehlung in eigener Sache: Über Entwicklungen im Bereich KI-gestützte Desinformation und generative KI als strategischer Faktor für politische Kommunikation hat mein Kollege und KI-Experte Richard Schwenn im neuen de’ge’pol-Podcast gesprochen.
Mit den besten Grüßen
Hannah Schimmele
Dieser Text ist zuerst im wöchentlichen Desinfo-Briefing als Editorial erschienen. Wenn Sie das Briefing mit den neuesten Hintergründen und Analysen rund ums Thema Desinformation erhalten wollen, abonnieren Sie es gerne hier.
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